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Niemand soll allein gelassen werden

21.03.2020

Ein Wort von Bischof Matthias Ring

Liebe Schwestern, liebe Brüder, vor genau einer Woche hat die Synodalvertretung angesichts des sich ausbreitenden Coronavirus beschlossen, alle Gottesdienste und kirchlichen Veranstaltungen bis auf weiteres abzusagen. Mittlerweile wurde diese Entscheidung durch staatliche Verbote eingeholt, und das öffentliche Leben wird immer weiter „heruntergefahren“.

Wir alle müssen uns auf eine nie gekannte Situation einstellen, sollen möglichst daheim bleiben und soziale Kontakte meiden. Abstand, sagte in dieser Woche Bundeskanzlerin Angela Merkel, sei derzeit Ausdruck der Fürsorge füreinander. Im Normalfall ist das Gegenteil richtig: Da gehören Fürsorge und menschliche Nähe zusammen.

Eine ganze Gesellschaft muss nun nach Wegen suchen, wie sie unter den aktuellen  Herausforderungen Gemeinschaft leben kann, denn auf Gemeinschaft sind wir alle angelegt und angewiesen. Jeder Mensch braucht ein Beziehungsnetz aus Familie, Freunden und Bekannten. Dieses Netz darf jetzt nicht reißen. Das gilt auch für uns als Kirche. An ihm zu weben, das kann auf verschiedene Weisen geschehen. Im Moment versuchen etliche Gemeinden, über das Internet wenigstens eine virtuelle geistliche Gemeinschaft zu schaffen. Auf der Homepage des Bistums wird eine Subdomain mit einer Sammlung dieser Angebote eingerichtet. Aber wichtig ist auch, dass wir alle an diesem Netz mit weben. Deshalb bitte ich Sie: Halten Sie in der Gemeinde, in unserer Kirche Kontakt untereinander, auch wenn das derzeit „nur“ telefonisch oder per Email oder ganz klassisch per Post geschehen kann! Niemand soll in dieser Situation vergessen oder allein gelassen werden.

Vor zehn Jahren habe ich mir als Leitwort für die Bischofsweihe einen Vers aus dem 2. Timotheusbrief (1,7) ausgewählt: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ Heute lese ich es als Wort, das mich herausfordert, und zugleich als Zuspruch. Ja, Verzagtheit und Angst spüren wohl viele von uns; da nehme ich mich nicht aus. Lassen Sie uns deshalb Sonntag für Sonntag, Tag für Tag miteinander um den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit beten. Und bleiben wir miteinander auf vielfältige Weise verbunden, vor allem auch im Gebet!

Gottes Segen wünscht Ihnen allen

Ihr

Bischof Matthias

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