Unser Glaube

Frauenordination

Gleich­berechtigung als Grundsatz.

Die Gleichberechtigung aller Menschen ist ein Grundsatz unseres Glaubens. Es gibt für uns deshalb auch keinen Grund, warum Frauen kein geistliches Amt ausführen sollten. Am Pfingstmontag, 27. Mai 1996, weihte Bischof Joachim Vobbe die Diakoninnen Regina Pickel-Bossau und Angela Berlis in Konstanz zu Priesterinnen.

Die Priesterinnenweihe war das Ergebnis eines langen Prozesses – und einer in unseren Augen überfälligen Reform. Aktuell haben wir hauptamtlich zwei Pfarrerinnen und eine Pfarrvikarin sowie acht Priesterinnen und zwei Diakoninnen im Ehrenamt.
Hier können Sie den Weg bis zur ersten Priesterinnenweihe nachvollziehen.

Historische Eckdaten und der synodale Prozess in den alt-katholischen Kirchen:

  • 1871 – 1912
  • 1918 – 1921
  • 1922 bis in die 60er Jahre
  • 1970er
  • 1982 – 1988
  • 1989 – 1995
  • 1996
  • 1997 – 2000
  • 1871 – 1912

    Vom Münchner Kongreß bis zur Gründung des Bundes Alt-Katholischer Frauen (baf)

  • 1871

    Dr. Johann Friedrich von Schulte, Prof. jur. in Bonn (Geschichte des Altkatholizismus, S. 343) zum Münchner Kongreß 1871:

    "Die beiden öffentlichen Versammlungen im Glaspalast zählten an 8000 Zuhörer und zwar nur Männer, da der vorsichtige Vorstand des Münchner Komitees, Herr Oberstaatsanwalt v. Wolf, die Teilnahme von Frauen gemäß dem bairischen Vereinsgesetz für unzulässig hielt, weshalb ausdrücklich Frauen ausgeschlossen wurden."

  • 1890

    Altkatholisches Frauenblatt Nr. 21 (1886 gegründet):

    "Unser Meister und Heiland hat uns alle gerufen, auch die Frauen, von denen zwar in religiösen Fragen nie viel die Rede war, die man beim Wirken am geistigen Wohle der Menschheit kaum mitzählt, die aber doch, wie unser hochverehrter Herr Geheimrath von Schulte am Vorabend der letzten Synode öffentlich anerkannte, für unsere Nation eine große Bedeutung haben."
    "Um hier den rechten Weg zu finden, müssen sich die Frauen vor allem selbst klar werden über das, was sie Gott, sich selbst und der Menschheit schuldig sind, eingedenk des höchsten Gebotes: Liebt Gott über Alles und deinen Nächsten wie dich selbst."

    "Die Frauen haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht am Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen teilzunehmen und tatkräftig mitzuwirken, daß das Reich Gottes, d. h. Liebe und Wahrheit, sich immer mehr ausbreitet auf Erden."

  • 1912

    Gründung des Bundes Alt-Katholischer Frauen Deutschlands (baf).

    1912
  • 1918 – 1921

    Vom Frauenwahlrecht bis zur ersten Feier des Frauensonntags.

  • 1918

    Allgemeines deutsches Frauenstimmrecht.

  • 1919

    Der Vorstand des Bundes Alt-Katholischer Frauen Deutschlands stellt bei Bischof Moog den Antrag, Frauen das kirchliche Wahlrecht zu gewähren.

  • 1920

    Die Synode beschließt das Frauenstimmrecht.

  • 1921

    wird zum ersten Mal am 1. Advent der Frauensonntag (durch bischöfliche Anordnung genehmigt) gefeiert.

  • 1922 bis in die 60er Jahre

  • 1957

    Bischof Demmel an die Frauenvereine:
    " … daß ich die Mitarbeit der Frauen nicht nur begrüße und für wünschenswert, sondern für lebensnotwendig halte, habe ich schon öfters ausgesprochen … ich habe die Gemeinden aufgefordert, den Frauen die Gleichberechtigung durch die Berufung in die verantwortlichen Stellen (wie der Gemeindeleitung) mehr als bisher gewähren zu wollen …"

  • 1960er

    Anlässlich der Unionspläne zwischen bischöflichen und nichtbischöflichen Kirchen in Sri Lanka und Nordindien/Pakistan gibt es eine kurze, die Frauenordination ablehnende Stellungnahme der Internationalen Alt-Katholischen Bischofskonferenz (IBK) der Utrechter Union.

  • 1970er

    Diskussionen um die Frauenordination.

  • 1971

    Während der Internationalen Alt-Katholischen Theologenkonferenz hält der niederländische Pfarrer Teunis Horstman ein Referat zugunsten der Frauenordination, das in der deutschen "Alt-Katholischen Kirchenzeitung" abgedruckt wird und Leserreaktionen hervorruft.

  • 1974 bis 1978

    Angeregt durch die ÖRK-Studie "Männer und Frauen in der Kirche" beschäftigt sich der Bund Alt-Katholischer Frauen Deutschlands intensiv mit dem Thema.

  • 1976

    Die Internationale Alt-Katholische Bischofskonferenz der Utrechter Union (IBK) beschließt die Nichtzulassung von Frauen zum dreifachen apostolischen Amt des Diakons, Priesters und Bischofs. Begründung: Die Tradition der Kirche kennt keine Frauen im sakramentalen Amt; Jesus hat zu Aposteln nur Männer berufen.
    Obwohl die Geschäftsordnung der IBK bei solchen Beschlüssen Einstimmigkeit vorsieht, wird dieser Beschluss trotz einer Gegenstimme veröffentlicht. Der Beschluss löst in den nachfolgenden Jahren einen lebhaften und sehr intensiven Gesprächsprozess aus. Neue exegetische und historische Erkenntnisse führen dazu, dass sich in Deutschland 1981 die Bistumssynode für eine (Wieder-)Einführung des Diakonats der Frau ausspricht. Der Protest gegen diesen Beschluss – er kommt von der Synodalvertretung und vom Bund Alt-Katholischer Frauen Deutschlands und vielen einzelnen – konzentriert sich in erster Linie auf das Diakonat der Frau.

  • Seit 1977

    nehmen Frauen am theologischen Fernkurs teil.

  • 1982 – 1988

    Die ersten alt-katholischen Diakoninnen.

  • 1982

    Die IBK stellt fest, dass dem Diakonat der Frau nichts im Wege steht; sie überlässt eine eventuelle Wiedereinführung den jeweiligen Ortskirchen.

  • 1984

    Die Internationale Alt-Katholische Theologenkonferenz stellt fest, dass die Argumente, aufgrund derer Frauen vom priesterlichen Amt ausgeschlossen worden sind, auf überholten nichttheologischen Voraussetzungen beruhen. Dies mache ein Überdenken der Frauenordinationsfrage notwendig. Damit setzt ein neuer Gesprächsprozess ein, der nicht nur in den Kirchen der Utrechter Union geführt wird, sondern auch einen theologischen Diskurs und
    Erfahrungsaustausch mit anderen Kirchen der Ökumene, insbesondere mit der Anglikanischen Kirchengemeinschaft, umfasst.

  • 1986

    Der Bund Alt-Katholischer Frauen Deutschlands (baf) stellt bei Bischof und Synodalvertretung den Antrag, eine Beauftragte für Mission und Entwicklung zu bestellen. Dr. Ilse Brinkhues wird zur ersten Beauftragten für Mission und Entwicklung berufen.

  • 1987

    In der Schweiz findet die erste Ordination einer Diakonin statt, 1988 geschieht dies in Deutschland, 1991 in Österreich.

  • 1988

    Am 26. November wird die erste Diakonin in Deutschland geweiht.
    Am 8. Dezember findet in Bonn ein Gespräch zwischen dem Büro der Internationalen Bischofskonferenz (IBK-Büro) und den Vorsitzenden der Frauenverbände der Niederlande, Schweiz und Deutschlands statt, in dem die Frauen darauf drängen, die Gespräche in den Kirchen der Utrechter Union zur Frauenordination nicht zu verschleppen.

  • 1989 – 1995

    Entscheidung für die vollständige Öffnung des geistlichen Amtes für Frauen im deutschen Bistum.

  • 1989

    sammelt der baf viele Unterschriften, mit denen sich die Unterzeichnenden mit dem Wunsch auf baldmögliche Behandlung in der IBK solidarisch erklären. Das IBK-Büro lehnt die 1988 vereinbarten weiterführenden Gespräche mit den Frauenverbänden ab. Es verweist auf die Zuständigkeit der Ortsbischöfe. Am 3. Mai beschließt die deutsche Bistumssynode in Mainz die Ordination der Frauen für das dreigeteilte Amt: Diakonin, Priesterin, Bischöfin. Mit Rücksicht auf die Schwesterkirchen wird die sofortige Ausführung zurückgestellt. Der Bischof erhält den Auftrag, die Einvernehmlichkeit mit den anderen Kirchen der Utrechter Union anzustreben. Die deutsche Bistumssynode spricht sich für die vollständige Öffnung des geistlichen Amtes für Frauen aus. Begründung: Weder eine lokale Synode noch ein ökumenisches Konzil haben im Laufe der Kirchengeschichte Einwände aus Glaubensgründen vorgebracht. Die Gott-Ebenbildlichkeit des Menschen und die Berufung der Getauften zur Teilnahme am Priestertum Jesu Christi erfährt im besonderen Amt einen sichtbaren Ausdruck.

  • 1991

    findet in Wislikofen (Schweiz) eine internationale Konferenz der Kirchen der Utrechter Union zur Frage der Frauenordination statt, auf der die Bischöfe zu keinem Ergebnis kommen. Die deutsche Bistumssynode beschließt auf Antrag des Bischofs Dr. Sigisbert Kraft einen nochmaligen unbefristeten Aufschub.

  • 1992

    Der Bund Alt-Katholischer Frauen Deutschlands (baf) begründet die "Projektgruppe Dekade – International -", um für die Frauenanliegen in unseren Kirchen mehr Grundlagen zu erforschen und Visionen zu entwickeln. In dieser Projektgruppe arbeiten Frauen aus den Niederlanden, Österreich und Deutschland zusammen.

  • 1994

    Die 51. Ordentliche Bistumssynode beschließt in geheimer Abstimmung mit 130 Ja-Stimmen, fünf Nein-Stimmen und einer Enthaltung: "In der Kirche haben Männer und Frauen die gleichen Rechte. Insbesondere können Frauen und Männer gleichermaßen zum apostolischen Dienst des Diakonats, Presbyterats und Episkopats ordiniert werden." Der 2. Beschluss dieser Synode erklärt in geheimer Abstimmung mit 124 Ja- Stimmen, 10 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen: "… Frauen im Bereich des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland von jetzt an den gleichen Zugang zum ordinierten Amt [haben] wie Männer." Das bedeutet, dass in der Kirche Männer und Frauen die gleichen Rechte haben und insbesondere Frauen und Männer gleichermaßen zum apostolischen Dienst des Diakonats, Presbyterats und Episkopats ordiniert werden können. Diese Bestimmung wird in der Synodal- und Gemeindeordnung des deutschen Bistums festgeschrieben.

  • 1995

    Ende Januar findet in Rastatt das Seminar "FRAUEN ALS BOTSCHAFTERINNEN UM GOTTES WILLEN" statt, das dem Austausch über unsere Vorstellungen, Ängste und Wünsche in Bezug auf das noch ungewohnte Amt einer Pfarrerin dient. Dieses Seminar sollte auch eine Reflexion über die Bedeutung der Frauenordination für das Leben in der Kirche innerhalb der 'Ökumenischen Dekade Solidarität der Kirchen mit den Frauen' ermöglichen.

  • 1996

    Weihe der ersten beiden Frauen zu Priesterinnen

  • Januar 1996

    Bischof Joachim Vobbe kündigt nach Befragung verschiedener Gremien die Priesterinnenweihe von Angela Berlis und Regina Pickel-Bossau endgültig für Pfingstmontag 1996 an.

  • Februar 1996

    In einem Hirtenbrief an die Gemeinden des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland erläutert Bischof Joachim Vobbe ausführlich die biblischen, theologischen und kirchengeschichtlichen Aspekte, die für die Ordination von Frauen richtungsweisend sind.

    Februar 1996
  • Pfingstmontag 1996

    Bischof Joachim Vobbe weiht die Diakoninnen Regina Pickel-Bossau und Angela Berlis zu Priesterinnen.

    Pfingstmontag 1996
  • 1997 – 2000

    Die ersten Priesterinnen in den Bistümern Österreich, Schweiz und Niederlande werden geweiht.

  • Juli 1997

    Die IBK trifft sich zum zweiten Mal zu einer Sondersitzung über die Frauenordination. In einer Erklärung stellt die IBK fest, "dass in der Frage der Frauenordination zur Zeit keine einstimmige Entscheidung möglich ist".

  • Oktober 1997

    Die Synode der alt-katholischen Kirche Österreichs beschließt die Einführung der Frauenordination. Die erste Weihe erfolgt noch im selben Jahr.

  • Juni 1998

    Die Synode der christkatholischen Kirche der Schweiz beschließt in erster Lesung: "Mit dem apostolischen Amt von Bischof, Priester und Diakon werden durch die Kirche sowohl Männer als auch Frauen betraut." Dieser Beschluss wird erst durch Bestätigung der nächsten Synodensession (1999) rechtskräftig.

  • Oktober 1998

    Die Synode der alt-katholischen Kirche der Niederlande empfiehlt den Bischöfen die Einführung der Frauenordination. Die Bischöfe hatten zuvor erklärt, dass sie für die Weihe von Frauen sind.

  • 1999

    Die Synode der christkatholischen Kirche der Schweiz bestätigt in zweiter Lesung ihren Beschluss von Juni 1998. Damit ist dieser rechtskräftig.

  • September 1999

    Die erste Frau in der alt-katholischen Kirche der Niederlande erhält die Priesterweihe.

  • 19. Februar 2000

    Die erste Frau in der christkatholischen Kirche der Schweiz erhält die Priesterweihe.

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