Gemeinde Augsburg / Gruppen

bam-Männergruppe

 

Zum Schmökern

Älter werden, weiter wachsen –
ein Erfahrungsbericht





Altkatholische Männer können nicht nur Weißwurst und Schafkopf. Beim ersten Treffen unserer Männergruppe schon wuchs der Gedanke, sich intensiv mit essentiellen Fragen zu beschäftigen. So kam es, dass sich vier von uns einigermaßen spontan in Schloss Craheim, Begegnungsstätte Lebenszentrum für die Einheit der Christen zum Seminar „Älter werden, weiter wachsen“ angemeldet haben. Mit ganz unterschiedlicher Biografie und Sozialisierung machten wir uns auf den Weg; vormals lutherisch evangelisch, freikirchlich evangelisch oder römisch katholisch hatten wir uns in der altkatholischen Kirche gefunden. Die gut dreistündige Autofahrt ermöglichte uns schon guten Austausch.
Craheim im Kreis Hassberge in Unterfranken gelegen, empfing uns entgegen schlechtem Wetterbericht mit thematisch passender herbstlicher Stimmung in einer Abwechslung  aus dunklen Wolken und strahlenden Lichtformationen am Himmel und einem grandiosen Blick vom Schlossberg aus in die weite Landschaft, von dem man sich nur wünschen konnte, dass er bildhaft für unseren Blick aufs Leben steht. Auch das Schloss fügte sich symbolisch ins Thema. Es strahlte, herrschaftlich auf dem Hügel, einen beeindruckenden Glanz aus. Aus der Nähe betrachtet sah man dann, wie der Zahn der Zeit nagt. Die nach Süden ausschreitende  freitragende Außentreppe war nur auf einer Seite begehbar, auf der anderen Seite gesperrt und von unten mit Balken gestützt. Das Betreten des Balkons im Kuppelsaal war wegen Einsturzgefahr verboten. Am ersten Abend gab es kein warmes Wasser.
Das Abendessen, man streckte die Fühler aus. Neben uns „Alten“ lief ein Seminar für  Männer, die beten,  und eins für (junge) Frauen mit Power. Nach dem Essen noch zwei Stunden mit einer Vorstellungsrunde. Große Bandbreite. Seminarleiter waren das über 80-jährige Ehepaar Endres, Pfarrer mit Frau, der früher 18 Jahre geistlicher Leiter auf Craheim war und seit 18 Jahren mit viel Seminararbeit im Ruhestand ist. Insgesamt waren wir 35, weit mehr, als geplant. Schlaglichter zu einigen Teilnehmern:  Ein Arzt, der im Rentenalter seinen Beruf noch liebt,  eine Apothekerin, Lehrerinnen, eine Verkäuferin, die die Kunden mag, Mitglieder einer christlichen Lebensgemeinschaft, ein Physiotherapeut, der seinen Beruf als Handwerk im besten Sinn versteht, ein Bildhauer, Erzieherinnen, Menschen, die noch im Beruf sind und solche, die schon weiter sind, Paare, Alleinstehende, Verwitwete …. Die Vorstellungsrunde zeigte unterschiedliche Erfahrungen und Blicke aufs Älterwerden, die wir mitbringen. Die Spannung stieg. Aber zunächst gab es einen geselligen Ausklang im Schlosskeller.
Die Tage hatten dann einen wohltuenden Rhythmus. Um 08.00 Uhr eine halbe Stunde Morgenandacht, ein guter Einstieg in den Tag, nicht zuletzt wegen des gemeinsamen Singens, das von allen kräftig mitgetragen wurde und sich auch in den Arbeitseinheiten wiederfand. Dann thematische Arbeit, gutes Mittagessen, lange Mittagspause, die Freiraum ließ, mir zum Beispiel für zwei Stunden schöne Wanderung auf dem Rennweg. Dann wieder thematische Arbeit, Abendessen, nochmals Arbeit und wieder in den Schlosskeller, ohne aber dort zu versumpfen. Wir haben ja doch schon Alter und Erfahrung?
Keine erholsamen, sondern anstrengende Tage? Mitnichten. Jeder von uns ist um gute Erfahrungen reicher heimgekommen. Klaus, von dem die Idee kam, nach Craheim zu fahren und der seit zwei Jahren im Ruhestand ist, hat zeitlich den großen Bogen gespannt und aus seiner heutigen Sicht bis zurück in die Zeit reflektiert, in der er als junger Zivildienstleistender auf Craheim war. Hannes war etwas enttäuscht, dass das Seminar des 82-jährigen Leiters zu wenig Gruppenarbeit bot, hat das aber dadurch ausgeglichen, dass er immer mal wieder an anderen Tischen gegessen hat und dort gute Gespräche geführt hat. Ich selbst habe viel Evangelisches kennengelernt und erfahren, dass es zwischen dem Eintritt in den Ruhestand und dem richtigen Altwerden heute eine Generation gibt, die es früher nicht gab.
Den Sonntagvormittag hat der Gottesdienst geprägt und auch zeitlich ausgefüllt. Umrahmt von Wortgottesdienst und Abendmahl hatten wir eine Thomas-Messe, Untertitel: Der Gottesdienst für Suchende, Zweifelnde und andere gute Christen. Im Seminarraum waren verschiedene Stationen aufgebaut. Mit meditativer Musik im Hintergrund konnten die Teilnehmer frei von Station zu Station wechseln und beliebig verweilen. Es bestand die Möglichkeit, zu den Themen Gedanken auf Zettel zu schreiben (die anonym blieben) oder anhand hinterlegter Texte zu meditieren. Stationen waren beispielsweise: „i. R.“ (im Ruhestand), „Lieber Mensch, ich kenne dich ganz genau“, „Wer bin ich?“, “ Der erste Sinn meines Lebens“,  eine Station mit einer Wand aus Ziegelsteinen, in die man Zettel mit seinem Ärger stecken konnte und weitere. Dann gab es eine Station, in der man sich die Hände salben konnte und schließlich die Mitte. Die war dem Thema Dankbarkeit gewidmet und hat jeden von uns auf unterschiedliche Weise stark angesprochen. Die Menschen, die anschließend wieder in die Kapelle gingen, um mit dem Abendmahl den Gottesdienst zu beenden, waren andere. Beeindruckend!
Dann gemeinsames Mittagessen und Heimfahrt. Was haben wir mitgenommen? Es waren vier Tage, die ihre Zeit und das Geld wert waren.
Rainer Brand

bam Termin

Einführung in die feministische Theologie

Vortrag von Pfarrerin Alexandra Caspari

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Osterkerze 2020

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