Gemeinde München

Haus- und Telefongottesdienst

Hausgottesdienst / Telefongottesdienst für 3. Mai 2020

Einführung
Der Herr, der in unserer Mitte lebt, sei mit euch/uns!
„Auf dem Weg zu sein“ ist ein Bild für das Leben.
Wir sprechen vom Lebensweg oder vom Lebenslauf und wir zählen dann die Lebensabschnitte und Stationen auf, die einer/eine in ihrem Leben von der Geburt bis zum Tod durchwandert.
Dass Menschen aufbrechen, sich auf den Weg machen, ist auch ein urbiblisches Motiv, viele Geschichten handeln davon.
Bevor sich der heute gebräuchliche Name Christen für die Anhänger Jesu durchgesetzt hat, nannten sich die Frauen und Männer der ersten Gemeinden selber „die vom Wege“.
Auf dem Weg zu sein ist uns Christen quasi ins Stammbuch geschrieben. Eine solche Weggeschichte wird uns heute als Evangelium angeboten, es ist die Emmauserzählung.
Zwei sind auf dem Weg, und Jesus, zunächst unerkannt, geht mit ihnen.
Auch wir glauben Jesus Christus jetzt in unserer Mitte – wenn auch getrennt an unterschiedlichen Orten.
Zu ihm rufen wir:

  • Auferstandener Christus, du lebst allezeit unter uns, wir beten dich an…..
  • Stille –
  • Du bist in die untersten Tiefen hinabgestiegen, um allen Menschen die Liebe Gottes zu offenbaren…… – Stille –
  • Du bist aufgefahren zu deinem und unserem Vater…..
  • Stille –
  • Wie am Abend deiner Auferstehung hauchst du über jeden von uns deinen Geist….. – Stille –
  • Du trägst uns auf, als Zeuginnen und Zeugen deiner Gegenwart zu leben…. – Stille –

Gebet des Tages

Gott,
Ursprung und Ziel jedes Menschen,
du hast Jesus von den Toten auferweckt.
Er ist gegenwärtig, wo dein Wort verkündet wird.
Gib, dass wir seine Gegenwart wachen Herzens erfahren
und in ihr leben, bis er kommt in Herrlichkeit,
Jesus Christus, unser Bruder und Herr,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und Leben schafft in Ewigkeit.

Psalm 16 (Verse 1-2.5.7-10)
KV – Ich gehe meinen Weg vor Gott im Lande der Lebenden.
Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir. /
Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr; *
mein ganzes Glück bist du allein.“
Du, Herr, gibst mir das Erbe und reichst mir den Becher; *
du hältst mein Los in deinen Händen.
Ich preise den Herrn, der mich beraten hat. *
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen. *
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.
Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; *
auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.
Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; *
du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen. –
KV – Ich gehe meinen Weg vor Gott im Lande der Lebenden.

Evangelium (Lk 24,13-35)Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

Am ersten Tag der Woche waren zwei von den Jüngern Jesu
auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus,
das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten,
kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.
Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen,
sodass sie ihn nicht erkannten.
Er fragte sie:
Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?
Da blieben sie traurig stehen,
und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm:
Bist du so fremd in Jerusalem,
dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
Er fragte sie: Was denn?
Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret.
Er war ein Prophet,
mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.
Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen
und ans Kreuz schlagen lassen.
Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde.
Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
Aber nicht nur das:
Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt.
Sie waren in der Frühe beim Grab,
fanden aber seinen Leichnam nicht.
Als sie zurückkamen, erzählten sie,
es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
Einige von uns gingen dann zum Grab
und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten;
ihn selbst aber sahen sie nicht.
Da sagte er zu ihnen:
Begreift ihr denn nicht?
Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
Musste nicht der Messias all das erleiden,
um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?
Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten,
was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren.
Jesus tat, als wolle er weitergehen,
aber sie drängten ihn und sagten:
Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend,
der Tag hat sich schon geneigt.
Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot,
sprach den Lobpreis,
brach das Brot und gab es ihnen.
Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn;
dann sahen sie ihn nicht mehr.
Und sie sagten zueinander:
Brannte uns nicht das Herz in der Brust,
als er unterwegs mit uns redete
und uns den Sinn der Schrift erschloss?
Noch in derselben Stunde brachen sie auf
und kehrten nach Jerusalem zurück
und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.
Diese sagten:
Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt
und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
So weit die Worte des heiligen Evangeliums;
es sind Worte ewigen Lebens.

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes.

Gedanken

Auf dem Weg sein, das ist das Motiv dieses Evangeliums.
Die Emmausjünger gehen von Jerusalem nach Emmaus und sie begegnen dem auferstandenen Jesus.
Diese Geschichte ist nicht nur eine Auferstehungsgeschichte, sondern sie kann auch ein Spiegelbild meines Lebens sein, in dem ich mich gut wiederfinden kann.
Lassen Sie mich die Stationen auf diesem Weg noch einmal benennen:
Da ist zunächst einmal Jerusalem. Jerusalem steht für eine große Zeit, in der vieles im Aufbruch und Umbruch war. Eine Zeit der großen Hoffnungen für die Zukunft:
„Wir hatten gehofft, dass er der Messias sei…..“
Jersusalem steht auch für Freude und Glück.
Die Emmausjünger haben ja Großartiges erlebt mit diesem Jesus:
das, was er sagt, wie er Kranke heilt,
wie er eine neue Zeit ankündigt und vieles mehr.
Jerusalem, das ist die Stadt der großen Hoffnungen.
Jerusalem steht aber auch für vieles andere:
Es steht für großes Leid, für den Schmerz des Getrenntwerdens, als Jesus am Kreuz stirbt.
Jerusalem wird zum Ort der enttäuschten Erwartungen, der begrabenen Hoffnungen.
Jerusalem wird zu einem Ort, von dem man am liebsten davonlaufen möchte. Auf und davon.
Jerusalem, das ist das ganze Leben.
Es steht für alle Hoffnungen, die wir ins Leben setzen, für die Lebenspläne, die wir schmieden. Aber Jerusalem steht auch für unsere enttäuschten Hoffnungen, für unsere durchkreuzten Lebenspläne.
Jerusalem steht für gelungenes Leben und für Leben, vor dem man davonlaufen möchte.
Die beiden Jünger tun dies buchstäblich, sie machen sich auf den Weg nach Emmaus.
Da sind zwei auf dem Weg, sie sprechen über das Erlebte, sie sprechen von ihren Hoffnungen, sie sprechen von ihren Enttäuschungen, von dem Schrecklichen, das sie erlebt haben.
Zwei sind auf dem Weg.
Nicht einer allein, der dann mehr und mehr in seiner Resignation versauert, sondern zwei, die einander begleiten und im Gespräch sind.
Und dann kommt ein Dritter dazu, der mit einer einfachen Frage: „Was sind das für Dinge, über die ihr miteinander redet?“ einen Prozess in Gang setzt:
Es sprudelt aus ihnen heraus und sie sprechen von ihren begrabenen Hoffnungen und Enttäuschungen.
Er lässt sie erzählen, er hört zu und versucht ihnen einiges einsichtiger zu machen. Er deutet ihr Leben im Lichte Gottes.
Langsam geht ihnen ein Licht auf und sie beginnen zu verstehen, warum das alles so sein musste und warum es nicht anders war.
Das Herz brennt ihnen, als er mit ihnen spricht.
Hier geht es nicht nur um eine Begegnung mit dem Auferstandenen:
was hier geschieht, ist Auferstehung zu neuem Leben, und zwar in den Beiden, es wird ihnen warm ums Herz….
Gibt es nicht auch auf unseren Lebenswegen solche Emmausgänge, auf denen uns andere begleitet haben, uns gestützt haben,
vielleicht einfach nur mitgegangen sind, auch auf Umwegen,
wo Menschen mit mir Freude und Hoffnungen, aber auch Trauer und Ängste geteilt haben?
Und finden wir uns nicht manchmal auch in der Rolle des Begleiters, der Begleiterin wieder, an dem andere Halt gefunden haben und immer noch finden?
Ist das nicht auch schon Auferstehung zu neuem Leben?!
Die beiden Jünger erkennen ihren Begleiter zunächst nicht.
Der Philosoph Sören Kierkegaard hat einmal gesagt: „Leben kann man nur vorwärts, das Leben verstehen nur rückwärts.“
Genau das passiert in Emmaus.
Die beiden Emmausjünger erkennen in ihrem Begleiter den Auferstandenen.
Und sie sehen das, was sie in Jerusalem erlebt haben in neuem Licht, im Lichte Gottes. Die Augen gehen ihnen auf und sie verstehen.
Jerusalem, die Stadt ihrer großen Hoffnung, dann die Stadt der begrabenen Hoffnungen, wird zur Stadt der neuen Hoffnung, sie kehren ins Leben zurück.
Ich wünsche uns allen, dass wir unser Leben, unsere Erwartungen, aber auch unsere enttäuschten Hoffnungen immer wieder einmal im Lichte Gottes sehen können.
Und ich wünsche uns die Erfahrung, dass der Auferstandene bei uns ist, mitgeht wie mit den Emmausjüngern, oft unerkannt, aber in der Rückschau manchmal erkennbar.

Fürbitten

Jesus Christus, Du kennst Angst, Leid und Tod. Du hast uns Deine Nähe zugsagt, zu Dir kommen wir mit unseren Anliegen:Wir beten für alle, die ein Leid tragen und für alle, die einsam sind…..Stille -Wir beten für die Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen, die keinen Besuch haben dürfen, und für alle Kranken…..Stille -Wir beten für alle, die helfen, die sich und ihre Kraft für andere einsetzen….Stille -Wir beten für alle, die in Krieg oder Bürgerkrieg leben müssen, und für alle, die auf der Flucht sind …Stille -Wir beten für alle Verstorbenen, für die Trauernden und für die, die versuchen, ihnen beizustehenStille –
Dir Christus, sei Lob und Ehre, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott aller Wege, segne unsere Schritte an diesem (jedem) Tag, segne die frohen Schritte, die wir aufeinander zu tun, segne die mühsamen Schritte, vor denen uns bange ist, segne unsere Schritte, wenn wir flüchten,
damit wir Zuflucht suchen und finden bei dir. Amen.

Der Holzschnitt der „Gang nach Emmaus“ von Karl Schmidt-Rottluff (geb. 1884) entstand im letzten Kriegsjahr 1918.
Emmaus
In alle Richtungen
wirft hartes Licht
verwirrend die Schatten
Strahlenspuren
hinterlässt eine schwarze Sonne
auf ihrer Laufbahn im Rücken
und die Natur zerbirst in scharfe Zacken
Jemand malt 1918
Emmaus
müde am Stock
auf dem Heimweg vom Krieg
Heute
sehen wir
keinen Weg vor uns
tappen die Füße
am Rand
ins Wohin
Zwischen unseren hängenden Köpfen
dem ängstlichen Sicherheitsabstand voreinander
schauen deine Augen Zukunft
Froh wissen blutvolle Lippen Verheißung
und eine Hand schiebt die Angst weg.
Laufen wir zurück
und holen die anderen
ins Morgen von
Ostern.
Oswin Rutz

PS: Vielen Dank allen, die für die ausfallenden Kollekten eine Spende
überwiesen haben.

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