Gemeinde München

Haus- und Telefongottesdienst

Hausgottesdienst an Ostern 2020

 
Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.
 
Mit diesem altkirchlichen Ostergruß wollen wir uns in diesem Jahr gegenseitig Frohe Ostern und neuen Mut zu sagen. Das ist Bekenntnis und Geschenk zugleich. Ein Geschenk, das wir miteinander teilen und uns beglückt, auch wenn wir nicht zusammen in diesem Jahr den Ostergottesdienst feiern können. Wir gehen unseren Weg im Licht des Glaubens und gleichzeitig in der Dunkelheit des Glaubens. Der Auferstandene geht uns voraus.
 
Lied: ES 412
 
Psalm 118,19-29 KV Das ist der Tag, den der Herr gemacht,  lasst uns frohlocken uns seiner uns freuen.
 
1. Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, *  damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken. 2. Das ist das Tor zum Herrn, * nur Gerechte treten hier ein. 3. Ich danke dir, dass du mich erhört hast, * du bist für mich zum Retter geworden. 4. Der Stein, den die Bauleute verwarfen, * er ist zum Eckstein geworden. 5. Das hat der Herr vollbracht, * vor unseren Augen geschah dieses Wunder. 6. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; * wir wollen jubeln und uns an ihm freuen. — 7. Ach, Herr, bring doch Hilfe! * Ach, Herr, gib doch Gelingen! — 8. Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! / Wir segnen euch vom Haus des Herrn her. *
Gott, der Herr, erleuchte uns. 9. Mit Zweigen in den Händen schließt euch zusammen zum Reigen, * bis zu den Hörnern des Altars. 10. Du bist mein Gott, dir will ich danken, mein Gott, dich will ich rühmen. — 11. Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig! — 12. Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist, 13. wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit * und in Ewigkeit. Amen. Kehrvers
 
Gebet Gott, du bist Leben, du bist Liebe, du bist immer hinter uns, vor uns und mitten unter uns. Wir danken, von dir geliebt und angenommen zu sein, mit den vielen weißen Flecken in unserem Leben, den dunklen Punkten und grauen Zonen. Hilf uns, aus dem Bannkreis des Todes herauszutreten, Trauernde zu trösten und längst verloren Geglaubte zu lieben. Schenke uns die Auferstehung zu einem Leben in deinem Licht durch Jesus Christus, der dem Tod die Macht genommen und uns ein unvergängliches Wesen geschenkt hat in der Kraft deines Geistes, ohne Zeit und Stunde in Ewigkeit. Amen.
 
Evangelium Johannes 20,1-18 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.  2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.
3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. 5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. 6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 9 Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse. 10 Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. 11 Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. 12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. 13 Diese sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 14 Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen. 16 Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.  17 Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 18 Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.
 
Lied: ES 410
 
Gedanken zum Osterevangelium Das ist eine schnelle Geschichte, die wir im Johannesevangelium heute an Ostern lesen. Da ist von laufen und rennen die Rede: Maria von Magdala geht zum Grab und als sie den Stein weggenommen sieht, läuft sie schnell zu Petrus und den Jünger, den Jesus liebt, Johannes vermutlich. Dann laufen die beiden Petrus und Johannes schnell zum Grab. Geradezu ein Wettlauf mit der Zeit, der eine schneller als der andere. Eine Spannung wird sichtbar, aber eben auch das ratlose Schweigen. Menschen, die traumatisiert und verängstigt sind. Da ist der Tod ins Leben eingebrochen. Ein geliebter Mensch ist von ihnen gegangen. Wurde umgebracht. Hingerichtet. Grausame Bilder, die sie nicht so schnell vergessen werden. Maria kommt zum frischen Grab in einem Garten. Gestern erst verschlossen. Das Kreuz, an dem Jesus aufgehängt wurde, steht noch und Maria hat das Bild noch im Kopf und es geht ihr auch so schnell nicht aus dem Sinn. Auch nicht an diesem Morgen. Sie ist eine Geschlagene, Verwundete, Getroffene. Viele Menschen sind geschlagen, verwundet und getroffen. Gerade in diesen Tagen sehen wir Bilder im Fernsehen von Menschen auf den Intensivstationen. Sehen Särge, die von Militärfahrzeugen abtransportiert werden. Hören von CoronaInfizierten, die einsam in Krankenhäusern und Altenheimen sterben müssen.
Hören von Angehörigen, die nicht mehr gebührend Abschied nehmen können von ihren Liebsten. Wenn wir die vielen Bilder nebeneinander stellen, die vielen Gesichter an uns heran lassen, gleicht das jenem Morgen, von dem der Evangelist erzählt, „als es noch dunkel war“. Der Evangelist erzählt die Geschichte in der Frühe des ersten Tages. Der erste Tag – das ist der Tag des Lichts, das die Finsternis abtrennt vom anbrechenden Licht. Das bedeutet Leben, das bedeutet Schöpfung. Mitten hinein in das Dunkel, das uns umgibt. Ostern ist der erste Tag! Wir sehen die Sonne aufgehen und das Leben siegen! Mitten in das Dunkel hinein will das Leben sich einen Weg bahnen. In der Frühe sind die zurück gelassenen Leinentücher und das sorgsam zusammen gelegte Leinentuch die Indizien dafür, dass Jesus nicht mehr im Reich des Todes zu Hause ist, sondern ihn überwunden hat. In alten Geschichten wird sogar von Jesu Höllenfahrt erzählt, der die Hölle zum Einsturz gebracht hat und ihre Mauern und Dächer durchbricht – und führt alle hinaus, die vom Tod gefangen gehalten werden. Ob das heute auch möglich ist – alle hinaus zu führen, die vom Tod gefangen gehalten werden? Die in Altenheimen keinen Besuch mehr empfangen dürfen? Die zu Hause bleiben und nur noch wenig Kontakt zu anderen Menschen haben können? Ich sehe aber auch Menschen, die in diesen Tagen ihren alten Nachbarinnen ihre Einkäufe erledigen. Oder die ihren Nachbarn Essen vor die Tür stellen. Ich sehe Menschen, die in Hinterhöfen Musik machen – einfach so, zur Freude aller, die das hören. Ich sehe Menschen, die für andere Schutzmasken nähen und Menschen, die andere anrufen und ihnen Mut machen. Wenn da nicht Leben ist, wo dann? Da weicht für mich das Dunkel und ein österlicher Tag kann aufgehen. Vielleicht haben Sie auch solche österlichen Erlebnisse in diesen Tagen schon erlebt? Frohe Ostern!
 
Fürbitten

Der Auferstandene nimmt uns mit. Im Evangelium eilen wir dem neuen Leben entgegen. Darum beten wir heute:
 
– Für alle Christinnen und Christen, die in diesen Tagen still in ihren Häusern Ostern feiern.
 
– Für alle Menschen, die an dem Corona-Virus erkrankt sind und in den Krankenhäusern und Pflegeheimen liegen müssen und für die Helfenden und Ärztinnen und Ärzte, die oft über ihre Kräfte hinaus sich einsetzen für die Erkrankten.
 
– Für die Politikerinnen und Politiker, die in diesen Tage Entscheidungen treffen müssen, die unser tägliches Leben und unser berufliches Leben betreffen.
 
– Für die am Corona-Virus Verstorbenen und für alle unsere Toten, die wir in deiner ewigen Geborgenheit aufgehoben wissen.
 
– Für das, was uns am Herzen liegt.
 
Das alles dürfen wir zusammenfassen im Gebet des Herrn:
 
Vater unser Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der auferstandene Christus schenke dir die Behutsamkeit seiner Hände, die Güte seiner Augen, das Lächeln seines Mundes, die Treue seiner Schritte, den Frieden seiner Worte, die Wärme seines Herzens, das Feuer seines Geistes, das Geheimnis seiner Gegenwart. Französischer Segensspruch
 
Lied: ES 413
 
Für den Ostermorgen und die Woche:
 
Licht-Strahlen streifen sanft und leise die Augen verkünden den Anbruch eines neuen Tages
 
die sprengende Leucht-Kraft  der Morgensonne  weckt die müden Lider  durchflutet den Raum mit buntem Farbenzauber
 
Strahlen brechen mit eleganter Leichtigkeit Schatten und Licht ziehen eine Leucht-Spur der Hoffnung

kraftvoll und stark jeden Tag neu ist dieser Licht-Einfall – durchdringender als jedes Dunkel der Nacht
 
spürbar durchdrungen vom Licht des Ostermorgens verklingt die Trauer wiegt das Herz wieder leicht wenngleich Narben Zurückbleiben
 
im Aufgang der Sonne  erscheinen die Dinge  in einem anderen Licht  gibt es Hoffnung – österliche Zuversicht! Michaela E. Lugmaier

Auf der Suche?

Wir sind eine Kirche für alle. Oder besser: für alle, die wollen.
Auch Sie? Finden Sie eine Gemeinde vor Ort.

» Zur Gemeindesuche