Gemeinde München

Haus- und Telefongottesdienst

Hausgottesdienst für den 11.04.2020

Auch wenn wir uns in dieser Nacht nicht in der Kirche zur Feier versammeln können, feiern wir Ostern und hören wir die Botschaft des Festes:  Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja. In die derzeitige Situation hineingesprochen bekommt diese Botschaft von Ostern noch einmal eine besondere Aktualität:  Aus Dunkel wird Licht, aus Angst Zuversicht, aus Tod Leben. Die Osterkerze steht zeichenhaft dafür. Sie symbolisiert den Sieg des Auferstandenen über den Tod. Sie sehen unten ein Foto der diesjährigen Osterkerze in unserer Kirche. Die Nägel des Kreuzes stehen nicht nur für die Wundmale Jesu, sondern erinnern an Not, Leid und Ungerechtigkeit in unserer Welt.  Bitten wir darum, dass die Finsternisse unseres Lebens erhellt werden vom  nie verlöschenden Licht.  
 
(1) Nagel am Haupt des Kreuzes Der Nagel oben steht für alle Wunden, die Deinem göttlichen Geist zugefügt werden, für alle Lüge, für allen Fanatismus und alle Hetze zur Gewalt, – dass sie verklärt werden in das Bemühen, die Würde der anderen Menschen zu achten.
 
(2) Nagel – rechte Hand Der Nagel rechts steht für alle Wunden, die Deiner zur Versöhnung ausgestreckten Hand zugefügt werden, für alle Gewaltbereitschaft,  für alle Verrohung der Umgangsformen  – dass sie verklärt werden in Empfindsamkeit und Mitleid.  
 
(3) Nagel – linke Hand Der Nagel links steht für alle Wunden, die Deiner geöffneten Hand zugefügt werden, für alle Habgier und alle Unfähigkeit zum Teilen, für alle Ichsucht und alle Verschlossenheit gegenüber der Not in dieser Welt, – dass sie verklärt werden zu Gerechtigkeit und tätige Hilfsbereitschaft.
 
(4) Nagel – Fuß Der Nagel unten steht für alle Wunden, die Deinen Füßen geschlagen werden, mit denen du unsere Wege begleitest,  für das Hinweggehen über geschehenes Unrecht,  für die Tritte, die Menschen einander versetzen – dass sie verklärt werden zur Einsicht in die eigene Fehlbarkeit.
 
(5) Nagel – Herz Der Nagel in der Mitte steht für alle Wunden Deines geöffneten Herzens für alle Unbarmherzigkeit,  für alle hemmungslose Ausbeutung der Schätze der Erde,  – dass sie verklärt werden in Liebe zur ganzen Schöpfung.  
 
Entzünden der Osterkerze  (In der Kirche wird die Osterkerze von der Ewiglichtampel her entzündet, zu Hause sind alle eingeladen, selbst Kerzen zu entzünden).  
 
Christus ist auferstanden vom Tod. Sein Licht vertreibt das Dunkel der Herzen und der Welt!
 
Das Osterlob – Exultet (verkürzt)
 
Frohlocket ihr Chöre der Engel, frohlocket ihr himmlischen Scharen,  lasset die Posaune erschallen, preist den Sieger, den erhabenen König!  Lobsinge, du Erde, überstrahlt vom Glanz aus der Höhe! Licht des großen Königs umleuchtet dich. Siehe geschwunden ist allerorten das Dunkel.
 
(P Der Herr sei mit euch!  A Und mit deinem Geiste! P Erhebet eure Herzen!  A Wir erheben sie zum Herrn! P Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott!  A Das ist würdig und recht!)
 
In Wahrheit ist es würdig und recht, dich verborgener Gott, allmächtiger Vater, mit aller Glut des Herzens zu rühmen und deinen Sohn, unsern Herrn Jesus Christus zu preisen.
 
Er hat für uns bei dir, ewiger Vater, Adams Schuld bezahlt und den Schuldbrief ausgelöscht mit seinem Blut, das er aus Liebe vergossen hat.  Gekommen ist das heilige Osterfest, an dem das wahre Lamm geschlachtet ward, dessen Blut die Türen der Gläubigen heiligt und das Volk bewahrt vor Tod und Verderben.  
 
Dies ist die Nacht, die auf der ganzen Erde alle, die an Christus glauben, scheidet von den Lastern der Welt, dem Elend der Sünde entreißt, ins Reich der Gnade heimführt/ und einfügt in die heilige Kirche.
 
Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg  Wahrhaftig, umsonst wären wir geboren, hätte uns nicht der Erlöser gerettet.
 
Der Glanz dieser heiligen Nacht nimmt den Frevel hinweg, reinigt von Schuld,  gibt den Sündern die Unschuld, den Trauernden Freude. Weit vertreibt sie den Hass sie einigt die Herzen und beugt die Gewalten.
 
Das Licht dieser heiligen Nacht leuchte, bis der Morgenstern erscheint, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht: dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, der von den Toten erstand, der den Menschen erstrahlt im österlichen Licht; der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
 
Gebet des Tages
 
Gott des Lebens und Vater des Lichtes,  du erleuchtest diese Nacht durch die Auferweckung deines Sohnes. In ihm erfährt die Welt, was von Ewigkeit her dein Wille ist. Was alt ist, wird neu, was dunkel ist, wird licht, was tot war, steht auf zum Leben, und alles wird wieder heil in dem, der der Ursprung von allem ist, Jesus Christus, unser Bruder und Herr, der mit dir in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes lebt und Leben schafft von Ewigkeit zu Ewigkeit.
 
Evangelium Mt 28,1-10
 
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus. Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten.  Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.  Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.  Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt!  Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen:  Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen  und dort werden sie mich sehen. Soweit die Worte des heiligen Evangeliums; es sind Worte ewigen Lebens.
 
Gedanken   Die Osterkerze im Kirchenraum ist für mich persönlich immer ein Fixpunkt bei der Feier unserer Gottesdienste.  Auch wenn die Kerze im Laufe des Jahres unterschiedlich platziert wird, in der Osterzeit dicht am Altar, im Jahreskreis auf der linken Seite im Kirchenraum und in der Advents- und Weihnachtszeit hinten am Taufbecken, ist mir wichtig, dass sie präsent und entzündet ist.  Sie symbolisiert den auferstandenen Christus, der mitten unter uns ist, der das Zentrum unserer Feiern ist, besonders in der Eucharistie, wo wir Tod und Auferstehung Jesu ausdrücklich feiern.  
 
Vor einigen Jahren gab es initiiert vom Ökumenekreis „Christen in der Maxvorstadt“ eine Reihe von geistlichen Kirchenführungen unter dem Leitwort „Heilige Orte“. In jeder Kirche wurden die für die jeweilige Konfession prägenden Einrichtungsgestände in ihrer spirituellen Bedeutung vorgestellt: Taufstein, Alter, Tabernakel u.a. Liesel Bach, die durch St. Willibrord führte, blieb gleich zu Beginn bei den ganz normalen Kirchenbänken stehen und wies auf deren Bedeutung hin: „Hier versammelt sich das Volk Gottes.“ Die versammelte Gemeinde als Heiliger Ort!? Hier wird deutlich, was wir oft bei der Entlassung aus dem Kommunionkreis sagen:  „Werdet zu dem, was ihr empfangen habt: Leib Christi!“  
 
In diesem Jahr bin ich in der Osternacht mit der entzündeten Osterkerze alleine in der Kirche. Die Kirchenbänke sind leer und es fehlt etwas Wesentliches:  Die Gemeinde. Der tschechische Theologe Tomas Halik hat in einem Beitrag für „Christ und Welt“ dafür eine geistliche Deutung versucht. Halik schreibt: „Dieses Jahr an Ostern werden wahrscheinlich viele unserer Kirchen leer sein. An irgendeinem anderen Ort werden wir das Evangelium vom leeren Grab vortragen. Wenn uns die Leere der Kirche an ein leeres Grab erinnern wird, sollten wir nicht die Stimme von oben überhören: „Er ist nicht hier. Er ist auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa.““
 
Grabesruhe, das empfand ich den letzten Wochen des Öfteren, wenn ich alleine in der leeren, verschlossenen Kirche war. Es tut gut, in dieser Nacht „die Stimme von oben“ zu hören: Er ist nicht hier, er ist auferstanden, er geht euch voraus nach Galiläa.  Galiläa spielt im Bericht des Matthäus eine ganz wichtige Rolle.  Gleich zweimal erhalten die Frauen im Evangelium den Auftrag zu den Jüngern zu gehen und ihnen zu sagen: „Geht nach Galiläa“.  Einmal vom Engel am Grab und dann vom Auferstandenen selbst: „Sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, dort werden sie mich sehen“.  Galiläa, dass ist das Land ihrer Herkunft, Galiläa ist die Welt ihres Alltags.  Nach Galiläa sollen sie gehen, zu den Fischern am See, ins Land der Heiden, ins Land der Widersprüchlichkeiten, ins Land der falschen Messias-Erwartungen.  
 
Dort wo sie daheim sind, dort wo sie leben und arbeiten, mitten in ihrem Alltag, in Galiläa, dort werden sie ihn finden. Ist das nicht eine tröstliche Botschaft, gerade am Osterfest 2020, wenn unsere Kirchen leer sind?  Galiläa steht auch für mein Leben, meinen derzeitigen Alltag, der so anders ist als sonst. Auch hier lässt sich der Auferstandene finden, ist er bei mir.  

Fürbitten
 
Gott des Lebens, in dieser Nacht  bringen wir unsere Sorgen und Bitten zu dir:  
 
– Für alle Getauften,  dass sie von dir geleitet und gestärkt, hoffnungsfrohe Zeuginnen und Zeugen des neuen Lebens seien.    – Stille –
 
– Für alle, deren Leben überschattet ist von Leid und Not; für alle, die noch in den dunklen Gräbern der Angst und Verzweiflung leben; für alle, die das Vertrauen in den Morgen nach einer Nacht verloren haben: dass sie die Botschaft dieser Nacht hören: aus Dunkelheit wird Licht.   
 
 – Stille –
 
– Für alle, die den Blick verloren haben für das Schöne und Gelungene;  für alle, die vom Leben enttäuscht sind;  für alle, die von den Menschen und von Gott nichts mehr erwarten:  dass sie mit ihren Zweifeln nicht alleingelassen werden und in die österliche Hoffnung mit hineingenommen sind: aus Trauer wird Freude.
 
– Stille –
 
– Für alle an den Rändern des Lebens;  für alle, die von Krankheit und Tod gezeichnet sind;  für alle, die in Sorge ein Kind erwarten;  für alle, die neu ins Leben geboren sind:  dass die österliche Botschaft sie stärke und ihnen die Hoffnung gebe:  auf Tod folgt Leben.   – Stille –
 
Dich preisen wir, Gott des Lebens, durch Christus, den Auferstandenen, der als Lebender unter uns weilt, jetzt und in Ewigkeit. Amen.
 
Das Gebet des Herrn
 
Geeint durch die eine Taufe in demselben Heiligen Geist und in dem einen Leib Christi beten wir als Töchter und Söhne Gottes:
 
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
 
Segen
 
Durch sein Leben und Leiden hat Jesus Christus uns zur österlichen Freude geführt; er geleite uns alle Tage unseres Lebens bis zu jener Osterfreude, die niemals endet.
 
In dieser Nacht, die erhellt ist durch die Auferstehung des Erlösers, segne uns der gütige Gott und führe uns zur Sonne, die niemals untergeht.
 
Das gewähre uns der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
 
Bleiben wir in Frieden. Halleluja. Halleluja Preis und Dank sei unserm Gott. Halleluja. Halleluja.

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