Gemeinde München

Hausgottesdienst

Hausgottesdienst zum Pfingstfest

Einführung

Im Namen des Vaters und des Sohnes…..
Parter, Meder und Elamiter, Leute aus Mesopotamien und anderen Ländern waren am Pfingsttag in Jerusalem versammelt – so die Apostelgeschichte in der heutigen Lesung. Keine homogene Gruppe also, sondern eine multikulturelle Gemeinde, wie wir heute sagen würden. Wenn wir uns als Gemeinde am Pfingsttag versammeln, real in der Kirche oder geistlich miteinander verbunden zu Hause, dann sind wir sicher sehr viel einheitlicher als die Menge damals. Aber leben tut auch unsere Gemeinschaft durch die Einzelpersönlichkeiten, die sich in der Gemeinde in bunter Vielfalt zusammenfinden. Durch Gottes Geist geeint feiern wir miteinander und grüßen Jesus Christus in unserer Mitte:
Kyrie eleison / Christe eleison / Kyrie eleison

Gebet des Tages

Großer Gott, du wirbst um uns in den Zeichen von Sturm und Feuer. Sende deinen Geist in unser Leben, und sprenge mit dem Feuer deiner Weisheit die engen Grenzen unseres Denkens. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 2,1-11)

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. 2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. 4 Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. 5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. 7 Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? 8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: 9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, 10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Cyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. 12 Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten? 13 Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken. 14 Da trat Petrus auf, zusammen mit den Elf; er erhob seine Stimme und begann zu reden: Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem! Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! 15 Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Tag; 16 sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist: 17 In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne 3und eure Töchter werden prophetisch reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und eure Alten werden Träume haben. 18 Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden prophetisch reden.

Pfingstsequenz

Komm herab, o Heil‘ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt. Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not, in der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod. Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund. Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund. Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält. 4Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt. Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit. Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 20,19-23)

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. 21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Predigtgedanken

Die Lesung des heutigen Pfingsttages aus der Apostelgeschichte endet nach der Leseordnung eigentlich schon früher, nämlich mit dem Spott einiger über die vermeintliche Trunkenheit der Jünger. Ich denke, dass der Anfang der Predigt des Petrus noch mitgelesen werden sollte. Denn dieser bestärkt noch einmal das, was im Pfingstbericht sehr stark betont wird: Alle wurden vom heiligen Geist erfüllt, die einen können verständlich reden, die anderen können das Gesagte aufnehmen und verstehen. Die Betonung liegt auf allen, und auf jedem und jeder. Das, was der Prophet Joel als seine Vision dem Volk Israel als endzeitliche Verheißung verkündet hat, das ist für Petrus an Pfingsten Wirklichkeit geworden: „Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen, und sie werden Propheten sein.“ Hier ist nicht davon die Rede, dass das erst am Ende der Zeiten eintreten wird, sondern Petrus sagt, das ist heute am Pfingstfest Wirklichkeit geworden. Ich finde, diese Verheißung des Joel einen großartigen Text, in dem vieles aufgegriffen wird, was auch uns heute bewegt: Da sind Generationenkonflikte überwunden; die Jungen haben Visionen, die Alten haben Träume… Die Geschlechterrollen werden aufgebrochen; Söhne und Töchter werden Prophetinnen und Propheten sein…. Standesunterschiede zwischen denen, die das Sagen haben, und den anderen, die zu gehorchen haben, sind bedeutungslos….. Alle sind mit dem Geist Gottes erfüllt und von allen wird gesagt, sie werden prophetische Menschen sein. Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur vom Priestertum aller Gläubigen reden, sondern auch vom Propheten- und Prophetinnensein aller Gläubigen. Alle werden Propheten sein – was da an Pfingsten von Petrus verkündet wird, hat Gültigkeit bis heute. Wie ist das aber mit Propheten und Prophetinnen in unserer Zeit? Wir beklagen heute oft, dass uns prophetische Menschen fehlen! Eine Klage, die wir in vielen Bereichen hören können: in der Politik, im gesellschaftlichen Leben und auch in den Kirchen! 6Untergangspropheten gibt es sicher viele, aber die helfen keinem weiter. Aber wirkliche Propheten, Menschen mit Charisma, die zukunftsweisende Visionen haben, die fehlen uns! Was macht Propheten und Prophetinnen im biblischen Sinne eigentlich aus? Sie sind von Gott gerufen, von seinem Geist erfüllt und haben auf diesen Ruf geantwortet. – Das, was sie sagen, ist sicher oft unbequem, sie mahnen das Volk, sie warnen vor Wegen des Unheils, aber es geht immer um das Heil…. – Sie sehen größere Zusammenhänge und können eine konkrete Situation in diesen Zusammenhang einordnen…. – Sie versuchen Gott ins Spiel zu bringen und verweisen auf Gott. – Manche Propheten und Prophetinnen geben auch Trost und sprechen Mut zu: sie ergreifen die Initiative, wo Resignation und Verzagtheit alles lähmt. – Sie erkennen die Wunden ihrer Zeit, sprechen sie aus, und versuchen gangbare Wege aufzuzeigen. Ich beschreibe sehr allgemein, was Propheten und Prophetinnen ausmacht, denn je nach Zeit und konkreter Situation war ihr Wirken ja sehr unterschiedlich. Auch wenn vielleicht große prophetische Gestalten heute fehlen, sollten wir die Chance nutzen, gerade auch kleine prophetische Dienste und Möglichkeiten wahrzunehmen, zu denen wir alle fähig sind: – da wo ich tröste oder einem Mut zuspreche, wo ich begleite, wo ich Zusammenhänge sehe, die einem anderen verstellt sind, – aber auch da, wo ich nicht gleichgültig den Wunden unserer Gesellschaft und unserer Zeit gegenüberstehe, sondern sie auch ausspreche und mit anderen um Lösungen ringe. Wir alle sind Prophetinnen und Propheten, jede und jeder von uns, von Gott gerufen und vom Geist dazu befähigt. Das ist die Botschaft von Pfingsten. Amen.

Glaubensbekenntnis

Fürbitten

Vor Dich, Gott, bringen wir unsere Bitten und rufen:
V: Sende aus deinen Geist – (A:) und das Antlitz der Erde wird neu.

Für alle Schwestern und Brüder, die hier in dieser Stadt und an anderen Orten in deinem Namen versammelt sind, für alle, die dich suchen und nach dir fragen, beten wir: V: Sende aus deinen Geist – (A:) und das Antlitz der Erde wird neu.

Für die Menschen, die Hunger haben und Durst, Hunger nach Brot, Hunger nach Liebe, Durst nach Freiheit und Gerechtigkeit, für alle Menschen in jeglicher Not und Bedrängnis beten wir: V: Sende aus deinen Geist – (A:) und das Antlitz der Erde wird neu.

Für die Mächtigen in der Welt, die Verantwortung tragen für den Frieden und das Heil der Völker, und für alle, die sich um Wege des Friedens mühen, beten wir: V: Sende aus deinen Geist – (A:) und das Antlitz der Erde wird neu.

Für die Menschen, die sich in der Ökumene und im Dialog der Religionen engagieren, die davon überzeugt sind, dass Gottes Geist auch in anderen und durch andere wirkt, beten wir: V: Sende aus deinen Geist – (A:) und das Antlitz der Erde wird neu.

Vaterunser

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Möge die heilige Weisheit, der Menschheit zugetan, treu, beständig und freu, der Atem der Kraft Gottes möge Sie, die alles neu macht, in jedem Zeitalter, in unserer Seele Raum finden und uns zu Freunden Gottes machen. durch Jesus Christus. Amen.

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