Juli-September 2020

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde!

kennt Ihr den Patron der Deutschen? Oder wisst Ihr, warum man uns vielleicht ein wenig spöttisch den Deutschen Michel nennt? Am 29. September ist das Fest des Erzengels Michael und aller großen Engel. Er ist unser Patron. Sein Name wird ins Deutsche mit „Wer ist wie Gott?“ übersetzt. Das kann man als beherzte Kampfansage an alle verstehen, die meinen, noch über dem lieben Gott zu stehen. So sieht man ihn dargestellt mit dem Ungeheuer kämpfend, als er gerade mit seinem Flammenschwert zuschlägt. Michael kämpft gegen das Böse. Vielleicht ist gerade deshalb Otto, den man anschließend den Großen nannte, mit dem Michaelsbanner und der Heiligen Lanze im Jahre 955 am 10. August gegen die Ungarn losgezogen und siegreich vom Schlachtfeld am Lech heimgekehrt. Tatsächlich weiß man allerdings nicht so genau, wer nun dabei der Gute oder Böse war. Jedenfalls spielt diese für Otto siegreiche Schlacht im Gründungsmythos der deutschen Nation eine wichtige Rolle. Wahrscheinlich hätte Otto ohne diesen Sieg nie die Kaiserkrone bekommen, und Michael der Erzengel hätte somit auch nie das große Augenmerk zugesprochen bekommen, das ihn dann zum deutschen Patron werden ließ.

Ein Erz-Engel hat übrigens nichts mit Metall zu tun. Das, was in der deutschen Übersetzung zu „Erz“ wurde, ist in der griechischen Sprache die „Archäe“, was soviel wie Anfang oder Vorstand bedeutet. Ein Archangelos-Erzengel ist somit ein Engelsanführer oder Vorsteher. Der unbekannte christliche Autor des 6. Jahrhunderts, genannt Pseudo-Dionysius-Areopagita, hat in seinem Werk „Über die himmlische Hierarchie“ beschrieben, dass diese Erzengel die göttlichen Erleuchtungen weitergeben und den anderen Engeln verdolmetschen. Den Erzengeln ist es also vorbehalten, die großen Dinge des Glaubens zu verkünden, weshalb die Kirchenväter in ihren Predigten gerade an sie dachten, wenn sie den Gläubigen das „Ave Maria“ erklärten.

So einen großen Verkünder also haben die, die in Deutschland leben, als speziellen Beistand. Schon das Reich Ottos, das Ostfrankenreich, dürfte aus ganz verschiedenen Menschen unterschiedlichster Herkunft und Sprache bestanden haben. Otto, ein Sachse, der König von Italien wurde, der in Konflikte mit Ungarn und Slawen, den Bewohnern des Byzantinischen Reiches geriet, war ständig multikulturell umgeben. Sein Sohn heiratete sogar die oströmische Kaisernichte Theophanu und baute eine familiäre Brücke zwischen Morgen- und Abendland. Auf all diese „Deutschen“ schaut seit mehr als 1000 Jahren Sankt Michael huldvoll herab. Über jeden Dialekt und jede Sprache hinweg kommen die Botschaften der Engelsfürsten direkt in die Herzen der Menschen, wenn sie dafür nur Raum lassen. Und dieses „wenn“ ist der eigentliche Grund, warum Sankt Michael leider ganz oft vergeblich in unserer Geschichte mit seinem Wort warnte.

„Bei Euch soll es nicht so sein“, heißt das Wort aus der Bibel an die christliche Gemeinde gerichtet. Deshalb, meine Lieben, freue ich mich „trotz Corona“ und anderen Umständen auf den diesjährigen 29. September. Auch wenn dieser Dienstag noch in meinen Urlaub fällt, will ich ihn ganz besonders am darauffolgenden Samstag mit Euch nachfeiern. Als einen Tag, an dem wir uns als Gemeinde ganz besonders der Botschaften von göttlicher Erleuchtung durch den Erzengel Michael erfreuen dürfen.

Ich wünsche Euch von Herzen allen einen wunderschönen Sommer!

Euer Pfarrer Meik Barwisch

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